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ISG Hagenwerder e.V.

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SZ vom Freitag, 19.10.2018

Rathaus wehrt sich gegen Sportplatz-Vorwürfe

Die Stadt prüfte Alternativen für die Betreibung. Doch sie haben sich alle zerschlagen.

Von Ingo Kramer

 

Stefanie Lessig, Thomas Zimmermann, Michel Koch und Jürgen Heidrich (v. l.) von der ISG Hagenwerder dürfen den Sportplatz nicht mehr nutzen.
Stefanie Lessig, Thomas Zimmermann, Michel Koch und Jürgen Heidrich (v. l.) von der ISG Hagenwerder dürfen den Sportplatz nicht mehr nutzen.

© Pawel Sosnowski

Görlitz. Die Stadtverwaltung Görlitz bestätigt auf SZ-Nachfrage, dass ihr die Forderung des sächsischen Innenministeriums (SMI) zur Stilllegung des Sportplatzes Hagenwerder seit September 2015 bekannt ist und dass sie seither mehrere Fristen zur Schließung verstreichen lassen hat. Allerdings sei das Rathaus keineswegs untätig gewesen, sondern habe seit 2015 intensiv nach einem Kompromiss im Sinne der Sportler gesucht, sagt Sprecher Wulf Stibenz. Lange Zeit habe es die hoffnungsvolle Option gegeben, dass ein Dritter den Sportplatz Hagenwerder im Erbbaupachtvertrag übernimmt. Damit sollten einerseits die Förderkriterien erhalten bleiben, also keine Rückzahlung der Fördergelder herausgefordert werden, und andererseits die Trainingsfläche erhalten bleiben. „Das hat sich trotz vieler Gespräche bis auf die Ebene von Staatssekretären und trotz der gemeinsamen Recherchen aller Beteiligten zerschlagen“, bedauert Stibenz. Der Ansatz sei gewesen, dass die Stadt sich aus der Sportförderung für die ISG mit dem Sportplatz Hagenwerder zurückzieht – und somit auch nicht die Trainings- und Spielzeiten festlegt. Jedoch sei am Ende die Erbbaupachtvariante auch nicht möglich, ohne Fördergelder zurückzahlen zu müssen.

Jetzt weiß das Rathaus auch nicht mehr weiter. „Nachdem alle Fristen abgelaufen und die Verlängerungsfristen ausgeschöpft waren – und in dieser Zeit die ISG den Platz weiter genutzt hat – musste die Stadt jetzt mit der Stilllegung reagieren, um nicht die Fördergelder zurückzahlen zu müssen“, so Stibenz. Das sei nun ein Fakt, der feststeht: „Für die Stadt gibt es an dieser Stelle keinen Handlungsspielraum – der Rückzug aus der Sportförderung beim Platz Hagenwerder ist definitiv für die Stadt.“ Das Rathaus sei gerade dabei, aufzuarbeiten, welche Gremien wann informiert wurden.

Unterdessen hat sich Jens Jäschke aus Görlitz, der in der Interessengruppe Stadtforum Görlitz mitarbeitet, an das Rathaus und alle Stadtratsfraktionen gewandt. In seinem offenen Brief, der auch der SZ vorliegt, gibt er dem Görlitzer Rathaus und insbesondere Bürgermeister Michael Wieler die Schuld an der Schließung, weil sie die Auflagen nicht erfüllt hätten. „Die logische Konsequenz ist es dann, dass die Forderungen des Freistaates durchgesetzt werden müssen“, schreibt Jäschke.

In der Konsequenz fordert er zwei Dinge: Zum einen soll wieder die Stelle eines eigenständigen Bürgermeisters für Bau und Ordnung geschaffen werden. Zum anderen schlägt er vor, künftig „fachkundige Bürger unserer Stadt darüber entscheiden zu lassen, welche Kultur- und Sportstätten für unsere Stadt von Wichtigkeit sind.“ Diese fachkundigen Bürger sollten als „beigeordnetes Kuratorium für Sport und Kultur“ tätig werden. Jäschke wünscht sich, dass die Stadträte in ihrer nächsten Sitzung über diesen Vorschlag abstimmen sollen.

Verzockt in guter Absicht

Sebastian Beutler über das Sportplatz-Desaster in Hagenwerder.

Von Sebastian Beutler

 

© Robert Michael

Dass die Schließung des Sportplatzes Hagenwerder die Wogen der Erregung in dem südlichen Görlitzer Stadtteil hochschlagen lässt, ist klar. Der Sportverein ist neben Kita und Feuerwehr das Einzige, was Hagenwerder seit der Eingemeindung als öffentliche Infrastruktur geblieben ist. Das erklärt aber noch nicht hinreichend, warum das Problem auch die Görlitzer Politik so elektrisiert. Die Wurzeln dafür liegen im OB-Wahlkampf 2012. Knapp zwei Jahre nach dem verheerenden August-Hochwasser der Neiße, als Hagenwerder weitgehend überschwemmt war, setzte der damalige Oberbürgermeister Joachim Paulick auf einen Ersatzneubau von Kita, Feuerwehr und Sportzentrum in der Nähe des Berzdorfer Sees. Allerdings war das in Teilen der Bevölkerung hochumstritten. Das Wahlbündnis von Siegfried Deinege hingegen arbeitete an Lösungen in den überschwemmten Domizilen. Das stieß auf Zuspruch, Deineges Durchmarsch in Hagenwerder bei der OB-Wahl wurde nicht zuletzt mit diesem strategischen Wechsel begründet.

Tatsächlich wurde die Kita in ihrem alten Gebäude saniert, auch das Feuerwehr-Domizil. Gescheitert sind Deinege, vor allem aber Bürgermeister Wieler, beim Sportkomplex. Hier haben sie die Standfestigkeit der Staatsregierung und den Druck seitens des Sächsischen Rechnungshofes unterschätzt und sich gleichzeitig verzockt, weil sie in guter Absicht zu viel wollten: Ein saniertes Stadion der Freundschaft, eine neue Turnhalle an der Jägerkaserne und den Sportkomplex in Hagenwerder. Dabei kann jeder auf Seite 121 des 2015er Berichtes des Rechnungshofes nachlesen, was jetzt Wirklichkeit geworden ist. Schon damals nahm der Rechnungshof auch Anstoß an Kostensteigerungen und Bewilligungsgrundlagen, ohne dass die jüngsten Erhöhungen überhaupt absehbar waren. Bürger sollten davon ausgehen können, dass ihre Steuergelder sparsam und effektiv eingesetzt werden. Bei diesem Projekt ist das seit 2012 nie der Fall gewesen. Auch deswegen ist nun die Aufregung so groß.

 

SZ vom Donnerstag, 18.10.2018

Sportplatz Hagenwerder sollte längst stillgelegt sein

Die Stadt Görlitz ließ alle Fristen verstreichen, sagt das Ministerium. Der Sportverein startet nun eine Petition für den Erhalt.

Von Ingo Kramer

 

Stefanie Lessig, Thomas Zimmermann, Michel Koch und Jürgen Heidrich (v. l.) von der ISG Hagenwerder können derzeit nicht lachen.
Stefanie Lessig, Thomas Zimmermann, Michel Koch und Jürgen Heidrich (v. l.) von der ISG Hagenwerder können derzeit nicht lachen.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Für Alexander Bertram ist die Sache völlig klar: Der Sportplatz Hagenwerder hätte eigentlich längst stillgelegt werden müssen. Es gebe einen Änderungsbescheid vom 18. September 2015, sagt der Pressesprecher des sächsischen Innenministeriums (SMI). Darin stehe wörtlich: „Mit Inbetriebnahme des Stadions der Freundschaft ist der Sportplatz Hagenwerder stillzulegen. Mit dem Verwendungsnachweis ist ein entsprechender Nachweis über die Stilllegung des Sportplatzes Hagenwerder einzureichen.“ Hintergrund: Das Stadion wurde mit Hochwasser-Fördermitteln als Ersatz für Hagenwerder gebaut, folglich muss der Platz in Hagenwerder geschlossen werden, sonst wäre es kein Ersatz, sondern ein Zusatzangebot. Tatsächlich wurde der Platz erst vorige Woche gesperrt – und die Sportler von der ISG Hagenwerder sind sauer. Zum einen, weil der Platz völlig intakt ist, sogar zu den besten Rasenplätzen in Görlitz gehört. Zum anderen auch, weil sie erst wenige Tage zuvor informiert wurden.

Schulen und Vereine dürfen seit August vorigen Jahres im Stadion der Freundschaft trainieren. „Die Erfüllung der Auflage war im fristgerecht am 29. Juni 2018 bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) von der Stadt Görlitz eingereichten Verwendungsnachweis zunächst nicht nachgewiesen worden“, sagt Bertram. Die SAB habe die Stadt zur Stilllegung des Sportplatzes Hagenwerder am 5. Juli angehört mit der Bitte um Rückäußerung bis 3. August. Diese Frist sei auf Antrag der Stadt bis 31. August verlängert worden. Nach dem Verstreichen dieser Frist sei die Stadt von der SAB in einem weiteren Schreiben auf die Konsequenz der Nichterfüllung der Auflage explizit hingewiesen worden. Das wäre der vollständige Widerruf der Hochwasserförderung 2010 von rund 1,3 Millionen Euro plus Zinsen gewesen. Am 20. September habe die Stadt der SAB mitgeteilt, dass die Entscheidung getroffen wurde, die Punktspiele und das Training ab 1. Oktober auf einen anderen Platz zu verlegen.

Nach dieser Darstellung hat die Stadt also erst gehandelt, als es gar nicht mehr anders ging, weil der Druck von oben zu stark wurde. Tatsächlich hat sie demnach aber seit September 2015 gewusst, dass sie entweder den Sportplatz Hagenwerder schließen oder die 1,3 Millionen Euro zurückzahlen muss. Indirekt hat OB Siegfried Deinege das vorige Woche auch im Verwaltungsausschuss bestätigt: „Es gab Beschlüsse, über die ich mich hinweggesetzt habe. Jetzt kann ich das aber nicht mehr, weil wir sonst die Fördermittel zurückzahlen müssten.“ Eine Kritik aber wies er zurück: Dass er nicht ausreichend informiert habe. „Ich habe mit Verein und Ortschaftsrat kommuniziert“, so Deinege. Stadt- und Ortschaftsrat Andreas Zimmermann (CDU) behauptete vehement das Gegenteil. Auf den Vermittlungsversuch von Thorsten Ahrens (Linkspartei) hin soll das Rathaus jetzt aufschlüsseln, wer wann informiert wurde.

„Inwieweit die Stadt den Sportverein unterrichtet hat, entzieht sich unserer Kenntnis“, sagt Alexander Bertram. Der SAB und dem SMI seien von der Stadt aber keine möglichen Kompromisse vorgetragen worden, beispielsweise eine Weiternutzung zumindest für das Training. Die Stadt hätte damit aber ohnehin keine Chance gehabt: „Unabdingbare Voraussetzung für die Förderung einer Hochwasserschadensbeseitigung an anderer Stelle ist, dass der geschädigte Standort nicht mehr genutzt und stillgelegt wird. Eine Nutzung des Sportplatzes zu Trainingszwecken würde diesem Ansinnen widersprechen.“

Der Sächsische Landesrechnungshof (SRH), der das SMI 2015 erst auf das Thema aufmerksam gemacht hatte, hat sich hingegen nicht mit eventuellen Kompromissen befasst. „Dazu, ob das auch das Training betrifft, haben wir uns nicht geäußert“, sagt Romy Kuhn vom SRH. Ob eine Nutzung des Rasenplatzes zum Training möglich ist, sei auch heute keine vom SRH zu beantwortende Frage.

Trotz der dargestellten Faktenlage sehen vor Ort in Görlitz viele die Schuld beim Freistaat Sachsen. Zuletzt erklärte der Vorstand des Stadtverbandes der FDP in einer Pressemitteilung, er habe „für derartige Stilblüten sächsischer Politik kein Verständnis“ und werde nach Möglichkeiten zur Unterstützung der betroffenen Sportler in Hagenwerder suchen. Bei derartigen Folgen sächsischer Fördermittelpolitik wundere es kaum, wenn die Einwohner den Glauben an die Politik verlieren.

Die Sportler von der ISG Hagenwerder wollen die Schließung derweil nicht hinnehmen. Sie haben im Internet eine Petition an das SMI für den Erhalt des Platzes gestartet. Seit 12. Oktober haben schon 804 Menschen unterzeichnet, darunter 396 aus Görlitz. Nötig sind 840 Görlitzer, dann könnte die Petition beim SMI eingereicht werden.

 

Rathaus ist ins offene Messer gelaufen

 

Ingo Kramer
Ingo Kramer

© Christian Suhrbier

Für die Menschen in Hagenwerder und ganz besonders für die Sportler der ISG Hagenwerder ist die Sache vollkommen absurd: Sie haben einen Rasenplatz, der top in Schuss ist – und der stillgelegt werden muss, weil der Freistaat das anordnet. Die Frustration ist enorm – und vollkommen berechtigt. Einen solchen Platz stillzulegen, ist ein Unding.

Trotzdem ist es zu einfach, die Schuld nur beim Freistaat zu suchen. Von dort kommen die Hochwassermittel – und damit verbunden die Auflage, den Platz zu schließen. Allerdings kam diese Auflage schon vor reichlich drei Jahren schriftlich. Die Stadt hat daraufhin nichts unternommen, was nach außen gedrungen wäre. Man könnte also sagen: Sie ist entweder seit drei Jahren im Stillen aktiv gewesen oder sehenden Auges ins offene Messer gelaufen. Jetzt, wo sie die Klinge spürt, setzt sie um, was der Freistaat schon seit drei Jahren angeordnet hat. Darüber, dass er es tatsächlich umsetzen muss, ist der OB genauso wütend wie die Sportler. Aber das nutzt ihm nichts mehr.

Zwei Fragen bleiben: Wie wäre das Ganze zu verhindern gewesen? Und: Was kann man jetzt tun, um den Platz doch noch weiter nutzen zu können? Beides ist schwer zu beantworten. Ersteres höchstens damit: Hätte die Stadt auf die 1,3 Millionen Euro Fördermittel verzichtet, müsste sie den Platz in Hagenwerder jetzt nicht stilllegen. Doch ohne das Geld wäre es schwer geworden, das Stadion der Freundschaft zu sanieren. Eine böse Zwickmühle also. Und die zweite Frage? Darauf scheint es gerade keine gute Antwort zu geben. Das SMI jedenfalls sieht keine Kompromissmöglichkeit.

 

SZ vom Freitag, 12.10.2018

"Schildbürgerstreich sondergleichen“

Die Stilllegung des Sportplatzes in Hagenwerder empört viele. Diese Entscheidung könne so nicht stehen bleiben.

Von Daniela Pfeiffer Und Ingo Kramer

 

Unterstützung von vielen Seiten im Kampf um ihren Rasenplatz ist der Leitung der ISG Hagenwerder auf jeden Fall sicher.
Unterstützung von vielen Seiten im Kampf um ihren Rasenplatz ist der Leitung der ISG Hagenwerder auf jeden Fall sicher.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Hagenwerder. Ein Skandal ist die komplette Schließung des Rasenplatzes in Hagenwerder in den Augen von Rolf Weidle. Der Fraktionsvorsitzende der Bürger für Görlitz und bekennende Fußballfan sichert der ISG Hagenwerder seine Unterstützung im Kampf um den Platz zu. „Es wäre doch das Mindeste, dass die Fußballer wenigstens weiter hier trainieren dürfen.“ Doch auch das untersagt die Stadt, die Angst hat, in das Stadion der Freundschaft geflossene Fördermittel zurückzahlen zu müssen. Die hatte sie nach dem August-Hochwasser von 2010 beantragt – als Ersatzmaßnahme für Hagenwerder. Seit 2015 im Schwarzbuch der Steuerzahler angeprangert worden war, dass es als Steuerverschwendung angesehen werde, Fördermittel auszureichen, obwohl die vom Hochwasser betroffene Sportanlage weiter genutzt wird, war auch klar: Der Sportplatz wird gesperrt, sobald das Stadion der Freundschaft fertig ist.

Am Mittwoch fielen nun auch im Verwaltungsausschuss böse Worte. Hagenwerders Ortsvorsteher Andreas Zimmermann – zugleich CDU-Stadtrat – warf der Stadtverwaltung mangelnde Kommunikation vor – und zwar sowohl mit dem Stadtrat als auch dem Ortschaftsrat und den Vereinen. OB Siegfried Deinege wies sämtliche Kritik zurück: „Ich habe mit Verein und Ortschaftsrat kommuniziert.“ Letzterer sei stets einbezogen gewesen. „Und ich bin auch jetzt bereit, in den Ortschaftsrat zu kommen.“ Er würde den Platz gern weiter nutzen lassen, sagte er: „Wir haben keine andere Verwendung für diese Fläche.“

 

SZ vom Donnerstag, 11.10.2018

Schlusspfiff in Hagenwerder

Lange angekündigt, doch keiner hielt’s für möglich: Den ISG-Sportlern wird ab sofort tatsächlich die Nutzung ihres Rasenplatzes verboten.

Von Daniela Pfeiffer

 

Strahlender Sonnenschein, der Rasen top in Schuss und doch können Stefanie Lessig, Thomas Zimmermann, Michel Koch und Jürgen Heidrich (v. l.) von der ISG Hagenwerder nicht lachen. Denn sie dürfen den Platz nicht mehr nutzen.  Strahlender Sonnenschein, der Rasen top in Schuss und doch können Stefanie Lessig, Thomas Zimmermann, Michel Koch und Jürgen Heidrich (v. l.) von der ISG Hagenwerder nicht lachen. Denn sie dürfen den Platz nicht mehr nutzen.

Er liegt da in schönstem Grün – ein Fußballplatz, von dem viele nur träumen. Und doch hat ihm seine ganze Perfektion am Ende nichts genützt: Der Rasenplatz in Hagenwerder darf ab sofort nicht mehr genutzt werden. Die Gründe dafür sind für Außenstehende schwer nachvollziehbar – für die Betroffenen der ISG Hagenwerder schon gar nicht. Nach dem ersten Schock, als Oberbürgermeister Siegfried Deinege ihnen vor einigen Tagen die Nachricht in einem persönlichen Gespräch überbrachte, steht für sie inzwischen fest: Das lassen wir uns nicht gefallen, wir werden um unseren Platz kämpfen.

Was jetzt passiert ist, ist eine Spätfolge des August-Hochwassers von 2010. Damals wurde Hagenwerder nach dem Bruch des Witka-Staudamms im nahen Polen binnen weniger Minuten überflutet. Nach zwei Stunden war das Wasser größtenteils wieder weg – aber die Folgen kamen erst. Neben vielen Privaten, die alles neu machen mussten, traf es auch die Sportgemeinschaft Hagenwerder. Sie büßten durch die Flut zunächst ihre Halle ein. Wegen angeblicher Hochwassergefahr sei sie nicht sanierungsfähig, hieß es damals. Dabei wirkt die Halle auch heute noch wenig sanierungsbedürftig. Lediglich der Fußboden müsste grunderneuert werden, glauben die Sportler. „Aber nein, damals ging alles ganz schnell. Sogar die Bänke, die Matten, alles wurde ganz schnell abgeholt“, sagt ISG-Vorsitzender Thomas Zimmermann.

Ebenso schnell stand fest: Görlitz soll für die durchs Hochwasser nicht mehr nutzbaren Hallen in Hagenwerder und die Hirschwinkelhalle in Görlitz einen Hallenneubau bekommen. Der entsteht gerade – und kostet fast acht Millionen Euro. Als Hochwasserersatz bereits fertig ist das Stadion der Freundschaft, das vor einem Jahr schick saniert übergeben wurde. Es ist der Knackpunkt im ganzen ISG-Drama. Doch welche Gefahr für sie mit der Stadionsanierung verbunden ist, bekamen die Sportler nur langsam mit. Weil die Stadt darüber nie Tacheles mit ihnen geredet hatte. Das ist einer der Punkte, die am Dienstag im Ortschaftsrat zur Sprache kamen. Hier entluden sich die Emotionen und die geballte Wut auf die Stadt – sowohl seitens des Ortschaftsrates als auch der ISG-Abordnung, die durch den stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Heidrich sowie Stefanie Lessig und Michel Koch von der Abteilung Fußball vertreten waren – außerdem durch Thomas Zimmermann, der zugleich zum Ortschaftsrat gehört.

Als 2015 Görlitz und Hagenwerder im Schwarzbuch der Steuerzahler auftauchte und Steuermittelverschwendung angeprangert wurde, hätte der Kurs geändert werden müssen. Damals wurde kritisiert, dass Ersatzneubauten entstünden, obwohl doch die Ursprungsbauten und -anlagen weiter genutzt würden. Hinzu kam, dass die Stadt für das Sportzentrum Hagenwerder zunächst einen Schaden von 1,9 Millionen Euro angegeben hatte, sich dann aber auf ganze 5 Millionen Euro nach oben korrigierte. Auch das wurde angeprangert. Die Begründung der Stadt: Man sei zu der Erkenntnis gekommen, dass die Sanierung des ISG-Sportkomplexes wegen weiterer Hochwassergefährdung nicht durchgeführt werden könne. Schon damals – im Oktober 2015 – sagte das sächsische Innenministerium klar und deutlich: Im Gegenzug zur Sanierung des Stadions der Freundschaft ist der Sportplatz in Hagenwerder stillzulegen. Das berichtete die SZ damals genau so.

Im Rathaus wurde seinerzeit abgewunken. „Die Fördermittelgeber gehen natürlich davon aus, dass für Hochwasserersatzbauten Altes abgerissen wird, aber individuelle Dinge sprechen eben dagegen“, sagte Bürgermeister Michael Wieler damals gegenüber der SZ. Auch der OB betonte den Sportlern gegenüber immer wieder, dass sie nichts zu befürchten hätten. Selbst in den letzten Tagen und Wochen habe der OB immer noch so getan, als würde er das noch abwenden können, als gäbe es noch diese oder jene Lösungsvariante. Stattdessen nun das Gespräch mit dem ISG-Vorstand in seinem Büro, dass die ISG-ler abbrachen, als klar war, was der OB ihnen da sagt. Schriftlich haben sie bislang nichts, stattdessen schickte die Stadt ein Schreiben an den Fußballverband Oberlausitz. Inhalt: Eine weitere Nutzung des Platzes sei aus förderrechtlichen Gründen ab sofort nicht mehr möglich. Ansonsten müsste die Stadt die erhaltenen Fördermittel zurückzahlen.

Eine doppelte Backpfeife für Hagenwerders Fußballer ist, dass sie nicht mal mehr zu Hause trainieren dürfen – obwohl bei allen Ankündigungen bisher immer „nur“ vom Spielbetrieb die Rede gewesen war. Die von der Stadt angebotene Alternative, ins Stadion der Freundschaft zu wechseln, lehnen sie aus Prinzip ab. Stattdessen nutzen sie die ohnehin schon bestehende Spielgemeinschaft mit Rauschwalde und wollen dort spielen und trainieren. Betroffen sind die Männer und die E-Jugend. Scheinbar nicht viele, aber Fußball ist die Sportart schlechthin und wenn das wegbricht, verliere die ISG eine wichtige Stütze. Das tut nicht nur den 70 Fußballern selbst weh, sondern allen 330 ISG-Sportlern. „Wir werden immer weiter zerstört“, sagt Thomas Zimmermann. Erst der Hartplatz, der dem neuen Zollabfertigungsplatz weichen musste und wo die ISG von der versprochenen Entschädigung nichts gesehen hat, dann die Halle, jetzt der Rasenplatz.

Doch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, hoffen die Sportler, die alle Hebel in Bewegung setzen wollen, damit die Entscheidung rückgängig gemacht wird. Zunächst will man sich nun an Medien und Politiker wenden, vielleicht eine Petition einreichen, in Hagenwerder einen großen Aufsteller platzieren, auf dem steht: „Wir kämpfen um unseren Sportplatz.“ Der Ortschaftsrat will alle Aktionen 100-prozentig unterstützen. Ortsvorsteher Andreas Zimmermann ist stocksauer auf Deinege und Wieler. „Wir sind komplett verarscht worden, alle, auch der Technische Ausschuss und die Stadträte. Es wäre die Pflicht der Stadt gewesen, uns nach dem betreffenden Fördermittelbescheid in Kenntnis zu setzen und die Lage neu zu diskutieren“, sagt er. „Herr Wieler hätte auf uns zukommen und sagen müssen: Wir können unsere Zusagen an Hagenwerder nicht halten.“ So aber stehe am Ende die bittere Erkenntnis, dass man niemandem mehr etwas glauben könne. Das Rathaus selbst reagierte bis gestern Abend nicht auf eine SZ-Anfrage.

 

Wenn der Kapitän ein Eigentor schießt

SZ-Redakteurin Daniela Pfeiffer kommentiert das Aus für den Rasenplatz in Hagenwerder.

Das hat gesessen. Ein Eigentor wie es im Buche steht. Geschossen hat es der Mannschaftskapitän. Der Ball zappelt im Tor der ISG Hagenwerder. Nur anders als im Fußballleben, wo so ein Eigentor zwar auch schmerzt, gibt es für Hagenwerder keine Chance mehr, noch Ergebniskorrektur zu betreiben. Oder es in den darauffolgenden Spielen wieder auszugleichen. Denn es wird keine Spiele mehr geben in Hagenwerder. Der Kapitän – in dem Fall der Görlitzer Oberbürgermeister – hat das vermasselt.

Nun gehen die Hagenwerderer Fußballer bedröppelt vom Platz. Ohne eigene Schuld. Im Gegenteil: Sie haben immer schön das gemacht, was die Stadtspitze ihnen seit 2015 geraten hat. Seit aus Dresden die ersten Signale kamen, dass der Rasenplatz der ISG gegen das Stadion der Freundschaft ausgetauscht wird – das alles lief unter dem Deckmantel von Hochwasserersatzmaßnahmen – wurden die ISG-ler gebeten, still zu sein. Bloß jetzt nicht durch lautstarken Protest in der Öffentlichkeit etwas vorschnell zerstören. Sie haben sich immer und immer wieder von Deinege und Bürgermeister Wieler vertrösten lassen. Es wird schon alles gut werden, wir geben Euch unser Wort, in Hagenwerder wird weiter Fußball gespielt. Hoch gepokert haben sie und jetzt verloren. Nur der wahre Verlierer ist nicht die Stadt: Sie hat ein neues Stadion, bald auch eine millionenschwere nagelneue Sporthalle. In Hagenwerder hingegen gibt’s das alles nicht mehr: Nach dem Hartplatz fiel die ach so schwer beschädigte und hochwassergefährdete Turnhalle weg und nun auch noch der bis dato beste Rasenplatz der ganzen Stadt. Wie die Stadtoberen das den Leuten erklären sollen, die sich ehrenamtlich im Sport engagieren – darauf darf man sehr gespannt sein.

 

 

SZ vom Freitag, 22.12.2017

Rathaus bittet um Ausnahme

Was aus dem Sportplatz Hagenwerder wird, ist noch immer unklar. Der OB sprach dazu mit Ex-Innenminister Ulbig.

Von Daniela Pfeiffer

Möchten ihren Platz behalten: Hagenwerders Sportfreunde Peter Mosig, Hartmut Stephan und Sven Dittrich (v. l.)
Möchten ihren Platz behalten: Hagenwerders Sportfreunde Peter Mosig, Hartmut Stephan und Sven Dittrich (v. l.)

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Still ruht die Wiese. Jedenfalls im Moment. Denn wirklich stillgelegt ist der Sportplatz in Hagenwerder nicht. Eigentlich hätte er ab der Eröffnung des sanierten Stadions der Freundschaft in Görlitz-Weinhübel nicht mehr genutzt werden dürfen – so lautete die Auflage der Sächsischen Aufbaubank (SAB). Denn die Fördermittel fürs Stadion flossen noch aus Töpfen für Hochwasserschäden vom August 2010. Als Ersatzstandort für die Sportanlage in Hagenwerder, die durch die Flut 2010 geschädigt wurde und durch die Stadt nicht wieder aufgebaut werden konnte, sollte und wurde das Stadion der Freundschaft saniert.

Die Sportler in Hagenwerder hat das in tiefe Verzweiflung gestürzt. Dass ein Sportplatz stillgelegt werden sollte, der jahrzehntelange Tradition hat, in gutem Zustand ist und top Spiel- und Trainingsbedingungen bietet, konnten und wollten sie nicht einsehen. Zu dem Thema hat es inzwischen etliche Gespräche gegeben – immer hinter verschlossenen Türen. Kaum einer möchte etwas zum aktuellen Stand sagen, weil die Sache eben noch nicht geklärt ist und man sich nichts verderben möchte.

Auf SZ-Nachfrage sagt Stadtsprecher Wulf Stibenz, dass dank einer Ausnahmegenehmigung in der aktuellen Saison noch weiter auf dem Platz trainiert werden kann. Mit dem Ende der Spielsaison ende aber auch diese Genehmigung. Bislang gebe es keine anschließende Ausnahmegenehmigung zur Weiternutzung des Platzes. Allerdings bemüht sich die Stadt jetzt darum – und das obwohl sie die Bedingungen der SAB kannte und sich darauf einließ. Es war immerhin die Möglichkeit, die seit vielen Jahren in den Schubladen liegenden Sanierungspläne für das Stadion in Weinhübel endlich umzusetzen.

Nun ist die Stadt gegen den Förderbescheid aus dem Jahr 2013 zwar nicht in Widerspruch gegangen, aber sie ist mit den zuständigen Stellen zu dem Thema im Gespräch, teilt Wulf Stibenz mit. Zudem habe es eine „entsprechende Korrespondenz“ zwischen dem Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege und Markus Ulbig gegeben, der damals noch sächsischer Innenminister war. Die Stadt möchte jetzt vom Innenministerium eine Änderung beziehungsweise Aussetzung der Auflagen im Förderbescheid. Da das Innenministerium Fördermittelgeber ist, könne über Änderungen auch nur dort entschieden werden.

In dem Brief an Markus Ulbig wurde betont, dass sich die Abteilung Fußball der ISG Hagenwerder intensiv um den Erhalt der Mannschaft und die Nachwuchsförderung bemühe. Das sehen die Verantwortlichen gefährdet, wenn der Rasenplatz nicht mehr nutzbar wäre. Deshalb bittet die Stadt das Innenministerium um eine Prüfung der Nutzung des Sportplatzes Hagenwerder mit zurzeit zwei Optionen: Kann der Platz verkauft und ohne Einschränkungen genutzt werden, ohne gegen den Fördermittelbescheid zu verstoßen? Würde auch ein Pachtvertrag die Förderunschädlichkeit gewährleisten? Gegenüber Deinege hatte Ulbig zugesichert, in seinen Fachbereichen die Optionen prüfen zu lassen. Die Stadt steckt also in einer selbst verschuldeten Zwickmühle. Einerseits will sie eine gute Lösung für die Sportler in Hagenwerder, andererseits kann sie nicht gegen die Regelungen aus dem Förderbescheid verstoßen und hofft deshalb nun auf eine Lösung des Problems auf Landesebene.

Man erwarte vor Beginn der neuen Saison eine Entscheidung dazu, so der Stadtsprecher. Falls dafür mehr Zeit benötigt wird, wurde die Bitte formuliert, dass eine Verlängerung der Genehmigung für 2018 ausgesprochen werde. Da es vor wenigen Tagen einen Wechsel an der Spitze des Ministeriums gab und Markus Ulbig als Innenminister von Roland Wöller abgelöst wurde, kann es durchaus sein, dass das auch eine Entscheidung verzögert. Zudem waren die Signale aus dem Ministerium zumindest offiziell bisher alles andere als vielversprechend. „Die Stadt Görlitz hat für die Maßnahme Stadion der Freundschaft – Sanierung von Sportplatz und Leichtathletikanlagen als hochwasserbedingte Ersatzmaßnahme für die Sportanlage Hagenwerder Fördermittel erhalten“, so Alexander Bertram, Sprecher des Innenministeriums. „Ausweislich des bestandskräftigen Zuwendungsbescheides ist mit Inbetriebnahme des Stadions der Freundschaft, spätestens nach Ablauf des Bewilligungszeitraumes, der Sportplatz inklusive der Leichtathletikanlagen im Sportzentrum Hagenwerder stillzulegen. Das ist nach wie vor der aktuelle Sachstand.“ Allerdings bestätigt er die Anfrage des Görlitzer OB, in der um eine Ausnahmeregelung gebeten wird. „Der Sachverhalt wird derzeit geprüft. Ein genauer Termin für die Antwort kann noch nicht genannt werden.“

Kommentar: Wirklich fair ist das nicht

Daniela Pfeiffer über den Umgang mit Hagenwerders Sportlern

Von Daniela Pfeiffer

Von Anfang war klar, was jetzt keiner wahrhaben möchte: Wenn Dresden Geld für die Sanierung des Stadions der Freundschaft gibt, dann als Ersatz für Hagenwerder. Schon mit dem Fördermittelbescheid war das Ende des Sportplatzes in Hagenwerder eigentlich besiegelt. Schon da wurde es wohl im Rathaus versäumt, gegenüber den Sportlern in Hagenwerder mit offenen Karten zu spielen. Getreu dem Motto: „Steht zwar drin, aber wir werden das schon für Euch irgendwie hinbiegen“ wurde der Bescheid akzeptiert, die Stadionsanierung eingeleitet. Ziemlich selbstbewusst. Aber warum eigentlich soll Dresden eine Ausnahme machen – das wiederum wäre nicht fair anderen gegenüber. Dass der OB jetzt so kämpft, den Fußballern in Hagenwerder ihre Trainings- und Spielstätte erhalten will, ist zwar aller Ehren wert. Mancher Fußballer könnte sogar sagen, es sei das Mindeste, was die Rathausspitze jetzt tun kann. Immerhin haben die Sportler der ISG ihre Anlage jahrzehntelang genutzt, gehegt und gepflegt – nur um sie dann unter zweifelhafter Begründung weggenommen zu bekommen? Im Fußball gäbe es für so ein Verhalten einen Platzverweis. So aber heißt es nun, auf die Gnade des neuen Innenministers zu hoffen.

 
SZ vom Freitag, 23.06.2017

Platzverweis

Wenn das Stadion der Freundschaft in Görlitz fertig ist, sollen Hagenwerders Fußballer ihren Platz räumen. Sie hoffen auf ein Wunder.

Von Daniela Pfeiffer

 

Drei von mehr als 60Fußballern, die auf dem Rasen der ISG zu Hause sind: die Trainer Peter Mosig, Hartmut Stephan und Sven Dittrich. Kommt die Stilllegung des Platzes – und danach sieht es im Moment aus – wird das für sie, wie auch alle anderen, extrem bitter.
Drei von mehr als 60 Fußballern, die auf dem Rasen der ISG zu Hause sind: die Trainer Peter Mosig, Hartmut Stephan und Sven Dittrich. Kommt die Stilllegung des Platzes – und danach sieht es im Moment aus – wird das für sie, wie auch alle anderen, extrem bitter.

© pawel sosnowski/80studio.net

Soll es das gewesen sein? Wird es kein Punktspiel mehr auf dem schönen Rasenplatz in Hagenwerder geben? Existenzielle Fragen sind das – vor allem für die Sportler der ISG Hagenwerder. Vermutlich müssen sie ihren Platz tatsächlich räumen.

Angedeutet hat sich das schon lange. Weil das bei der August-Flut 2010 geschädigte Sportzentrum in Hagenwerder als nicht sanierungswürdig gilt, wurde als sogenannte Hochwasserersatzmaßnahme das Stadion der Freundschaft in Görlitz saniert. Die daran geknüpfte Bedingung: Stilllegung des Sportplatzes Hagenwerder, sobald das Stadion fertig ist.

Niemand hat allerdings so wirklich daran geglaubt, dass das tatsächlich passieren wird. Zumal Bürgermeister Michael Wieler noch vor Monaten die damals schon erhitzten und beunruhigten Gemüter beruhigte: Um den Sportplatz in Hagenwerder mache er sich keine Sorgen, hatte Michael Wieler damals gegenüber der SZ gesagt. „Die Fördermittelgeber gehen natürlich davon aus, dass für Hochwasserersatzbauten Altes abgerissen wird, aber individuelle Dinge sprechen eben dagegen“, sagte er. Etwa, dass der Sportkomplex in Hagenwerder noch gut genutzt wird. „Kegeln, Billard, Judo, das alles findet dort im ersten Stock statt. Es ist wohl nachvollziehbar, dass wir das nicht abreißen, selbst wenn es im Erdgeschoss wieder einmal Hochwasser geben sollte.“

Darum geht es wohl auch nicht, sondern um den Sportplatz an sich. Eine erneute SZ-Nachfrage bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) bringt ernüchternde Antworten. Es habe sich nichts geändert: „Mit Nutzungsaufnahme des Ersatzneubaus Stadion der Freundschaft ist zeitgleich der Sportplatz in Hagenwerder stillzulegen“, sagt SAB-Pressesprecherin Beate Bartsch. Dies beziehe sich auf den Punktspielbetrieb wie auch auf das Training.

Für die Punktspiele haben die ISGler wohl langsam doch mit dem Schlimmsten gerechnet. So haben sie ihre Mannschaften ab kommender Saison für Punktspiele im Stadion der Freundschaft angemeldet, bestätigt ISG-Vorstand Jürgen Heidrich. Aber auch Hagenwerder als Spielort habe man sicherheitshalber angegeben. Dass auch der Trainingsbetrieb von der Stilllegung betroffen sein soll, überrascht ihn. Mehr wolle er aus Sicht des Vorstandes aktuell aber nicht sagen, es sei noch einiges in der Klärung. Wie bekannt wurde, soll es am Dienstag dazu eine interne Runde beim Oberbürgermeister gegeben haben. Das Rathaus möchte sich zu dem Thema gegenwärtig allerdings nicht äußern. Für die Vereinsmitglieder, speziell die etwa 65 Fußballer – darunter 24 Kinder – wäre die Stilllegung eine Katastrophe. Das Todesurteil für das Vereinsleben. Werner Mönnich blutet das Herz, wenn er daran denkt. Er ist ehemaliger Hagenwerderer und war 1978 bei der Einweihung des Sportzentrums dabei, auch mal kurz Vereinsvorsitzender, später als Mitarbeiter im städtischen Schul- und Sportamt beruflich im Sportzentrum tätig. Zuletzt hat er sich das Pokalendspiel der Frauen angeschaut. „Pläne für die Stadion-sanierung gab es bereits seit 1994, aber es wurde nicht. Nach der Flut wurden die Dinge plötzlich vermischt, weil es Flutfördermittel gab. Dabei sind das doch zwei verschiedene Dinge.“ Dass Hagenwerder jetzt bluten soll, kann er nicht nachvollziehen. „Dieser Ortsteil hat bald gar nichts mehr.“

Dabei sei der Platz top in Ordnung, die Umkleidekabine vom Feinsten, und der Vereinsraum der Fußballer in Eigenregie schön gestaltet worden. „Da hängt man doch dran“, sagt Mönnich. „Und was soll überhaupt aus dem Platz werden? Soll dort das Gras hochwachsen?“

Zwischenzeitliche Gerüchte, der Görlitzer Investor Hagen Grothe, der seit vielen Jahren im Fußball engagiert ist und mit dem 2014 gegründeten FC Silesia Görlitz eng verbunden ist, würde die Anlage in Hagenwerder übernehmen wollen, haben sich nach SZ-Informationen wohl zerschlagen. Eine Alternative wäre das offenbar auch nicht gewesen. Denn Beate Bartsch von der SAB sagt: „Die Stadt ist verpflichtet, die Stilllegung des Sportplatzes nachzuweisen. Sofern die Stadt beabsichtigt ihn an einen Dritten zu übertragen, müsste von diesem die Verpflichtung zur Stilllegung übernommen werden.“

Uwe Ulmer, Geschäftsführer des Fußballverbandes Oberlausitz und gleichzeitig Jugendleiter beim FC Silesia, könnte eine Stilllegung ebenfalls nicht nachvollziehen. „Hagenwerder hat eine der besten Anlagen mit top gepflegtem Rasen“, sagt er. Die FC Silesia-Heimspiele fanden bislang genau dort statt. Doch auch Silesia hat für die kommende Saison nun wohl oder übel das Stadion der Freundschaft als Heimspielort angeben müssen. „Eine Heimstätte für Vereine wird das dort nicht“, ist Ulmer überzeugt. Es gebe ja nicht einmal genügend Räumlichkeiten, um Bälle und Ähnliches einzulagern. „Als Privatmann frage ich: Der Platz in Hagenwerder hat keinen Flutschaden, warum dann also jetzt diese Geschichte mit den Flutfördermitteln für Görlitz? Das ist ein ganz linkes Ding.“

 
SZ vom Mittwoch, 14.06.2017
 

Fußball-Heldin trifft Steffi Jones

Stefanie Lessig aus Hagenwerder wurde vom DFB für ihr Engagement geehrt – und durfte eine besondere Reise machen.

 
Stefanie Lessig mit Frauen-Nationaltrainerin Steffi Jones.
Stefanie Lessig mit Frauen-Nationaltrainerin Steffi Jones.

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Hagenwerder. Die Abteilungsleiterin Fußball der ISG Hagenwerder, Stefanie Lessig, wurde mit dem Titel „Fußballheldin 2016 des DFB“ geehrt. Das teilte Werner Mönnich mit, der im Fußballverband Oberlausitz (FVO) für das Ehrenamt zuständig ist.

Den Titel „Fußballheld/-in“ vergibt der Deutsche Fußballbund (DFB) seit dem vergangenen Jahr. Jeder Kreisverband darf lediglich einen Kandidatin nominieren, schildert Mönnich. Gedacht ist die Ehrung für junge, engagierte Mitstreiter, die sich besonders im Nachwuchsbereich, aber auch in anderen Funktionen engagieren. „Dem Vorstand des FV Oberlausitz fiel es nicht schwer, Stefanie dafür zu benennen“, sagt Mönnich. Seit 2007 ist sie im Fußball der ISG tätig, kam durch das Zuschauen dazu, spielte einst in Hagenwerder Tischtennis und leitet seit 2014 die Abteilung. Sie ist die einzige Frau an der Spitze einer Fußballabteilung in den knapp 80 Vereinen des Verbandes der Oberlausitz. Und der Verein ist unter ihrer Führung erfolgreich. Die erste Männermannschaft stieg gleich in die erste Kreisliga auf und stabilisierte sich dort, meisterte auch das zweite häufig schwere Jahr als Aufsteiger. Eine Nachwuchsmannschaft spielt für die blau-gelben Farben der ISG Hagenwerder.

Die Ehrung für Stefanie Lessig erfolgte im Rahmen einer Auszeichnungs- und Bildungsreise nach Barcelona Ende Mai. Neben Trainingseinheiten und Vorträgen begegnete sie nicht nur dem Vizepräsidenten des DFB, Rainer Koch, sondern auch der Trainerin der deutschen Frauennationalmannschaft, Steffi Jones. Sie besichtigte die Stadt und deren berühmtes Stadion. „Eine ganz, ganz schöne und vor allem interessante Sache“, schwärmt Stefanie Lessig, die sie für die insgesamt 45-stündige Busreise entschädigte.

Zurück daheim macht ihr nun Sorgen, dass es zur Zukunft des Sportplatzes in Hagenwerder noch immer keine endgültige Aussage gibt. In Görlitz wird derzeit das Stadion der Freundschaft saniert – mit Geldern, die noch aus Flutschadens-Töpfen stammen. Weil seit der August-Flut von 2010 sowohl die Sporthalle Hagenwerder als auch die Hirschwinkelhalle Görlitz als sanierungsunwürdig gelten, genehmigte der Freistaat den Neubau der Sporthalle in der Hugo-Keller-Straße als Ersatz für Hagenwerder. Dafür legte die Sächsische Aufbaubank (SAB) aber fest, dass der Spielbetrieb auf dem Sportplatz Hagenwerder eingestellt werden müsse. „Daran hängt das ganze Vereinsleben“, sagt Stefanie Lessig. In den nächsten Tagen müssen die Mannschaften und deren Spielorte für die Saison 2017/18 gemeldet werden. Stefanie Lessig und die anderen ISG Mitglieder hoffen, dass es eine Lösung gibt und sie auf ihrem schönen Heim-Rasenplatz bleiben können.

 

Auszeichnung für Stefanie Lessig

Auf Antrag des Fußballverbandes Oberlausitz und in Abstimmung mit der Abt. Fußball der ISG, erhält Stefanie Lessig den Titel "Fußballheldin 2016".
Anbei das Schreiben des SFV, welches ihr in den letzten Tagen zugestellt wurde. Im Dezember 2016 hatte sie schon diesbezüglich ein Schreiben des DFB erhalten.
 
 
Glückwunschschreiben des Sächsischen Fußball-Verbandes:

Fußballheldin 2016

Sehr geehrte Frau Stefanie Lessig,

im Rahmen der DFB-Aktion Ehrenamt wurden Sie von Ihrem Kreisverband auf-grund Ihrer hervorragenden ehrenamtlichen Tätigkeit für den Preis „Fußballheld 2016“ vorgeschlagen. Das Präsidium des Sächsischen Fußball-Verbandes hat diesem Vorschlag entsprochen, so dass wir Sie zu dieser Auszeichnung herzlich beglückwünschen. Für Ihre ehrenamtliche Arbeit wünschen wir Ihnen weiterhin viel Erfolg und natürlich beste Gesundheit.

Wie bereits durch den Deutschen Fußball-Bund mitgeteilt, werden Sie zu einer fünftägigen „Fußball-Bildungsreise“ nach Santa Susanna an die Costa de Barcelona-Maresme in Spanien eingeladen. Die Reise findet vom 22.-26. Mai 2017 statt.

Ungeachtet dessen planen wir auch eine Zusammenkunft auf Landesverbandsebene. Sobald wir die Vorbereitungen hierzu abgeschlossen haben, werden wir Sie darüber entsprechend informieren. Wir freuen uns bereits jetzt, Sie als Preisträger begrüßen zu dürfen und hoffen, dass Sie dem Fußball auch in Zukunft so engagiert verbunden bleiben.
 

Mit sportlichen Grüßen
 

J. Gernhardt                                         T. Prager
1. Vizepräsident soziale Belange             stellv. Geschäftsführer
                                                           Referent Verbandsentwicklung, Breitenfußball & Soziales